Jugendarbeit

Verantwortung wahrnehmen

VON JÖRG BÜSCHE, Quelle: http://www.suedkurier.de, 17.05.2008

Der Turnverein Markdorf schaut auf die Jugend. Und das weniger, weil er sich Sorgen um seine Zukunft machen müsste. Dazu bestünde bei dem über 1200 Mitglieder zählenden Verein auch kaum Anlass. Der Grund für die intensivierte Jugendarbeit der Turner liegt vielmehr in deren gewachsenem Bewusstsein für ihre gesellschaftliche Verantwortung. Sie sehen sich in die Pflicht genommen.

Jugendliche beim TVM
Lässt die Jugend nicht im Regen stehen - der Turnverein Markdorf bemüht sich um intensive Jugendarbeit. Bild: Büsche

Markdorf - "Uns geht es schon seit einiger Zeit nicht allein um gezielte Talentförderung", erklärte nun Hugo Brecht, Leiter des Bereichs Öffentlichkeitsarbeit/Sponsoring im der Abteilung Leichtathletik, "wir wollen Jugendlichen den Spielraum geben, den sie für ihre Entwicklung brauchen." Der Markdorfer Leichtathlet meint damit sowohl die persönliche Seite, die der Sport stärkt - das Selbstwertgefühl etwa - wie auch die soziale - indem er Freundschaften erleben lässt, indem er Verantwortungsbewusstsein und Engagement für eine Gemeinschaft fördert. "Man kann es gar nicht oft genug betonen", so Brecht, "in kaum einem anderen Bereich werden so viele soziale Werte vermittelt wie im Sport. Eines aber betont Hugo Brecht ausdrücklich. Bei aller Öffnung zum Spielerischen, zum Spaß, zum Fun-Sport, achtet der TVM immer noch sehr auf die Leistungen. Und hier stimmt die Bilanz. Die Erfolge der jungen Markdorfer Athleten sind beachtlich. Das Soziale sei ein also überaus erwünschter Nebeneffekt. Ähnlich den guten schulischen Leistungen, denen intensives Training im Stadion oder in der Halle nur äußerst selten Abbruch tut - im Gegenteil.

Längst beschreitet der TVM neue Wege, um seine Erfolg versprechenden Nachwuchssportler noch besser zu fördern. Es wurde ein diplomierter Sportlehrer gewonnen, der ehrgeizige Leichtathleten an sechs Tagen in der Woche trainiert. Ermöglicht wird dies allerdings nur durch die Kooperation mit anderen Vereinen. Neben den Markdorfern mussten Fischbach, Oberteuringen, Kluftern und Immenstaad mitanspannen, damit sich das Projekt auch finanzieren lässt.

"Es könnte Modellcharakter besitzen", meint Brecht. Insofern als die Zusammenarbeit von Vereinen und Schulen im Zuge der Ganztagsausweitung zwar viel beschworen wird. Konkretere Pläne, wie diese Kooperation aussehen, geschweige denn finanziert werden soll, liegen bisher noch keine vor. Es hapert vor allem an der Zeit. Denn nachmittags, wenn die Schüler Übungsleiter bräuchten, gehen die in der Regel ihrer Arbeit nach. Und abends trainieren sie die Vereinsjugend. Fruchtbar sei die Zusammenarbeit mit den Schulen trotzdem, erklärte Hugo Brecht. Er verwies auf den Gehrenberglauf, dessen Klein- und Kleinst-Teilnehmer in den Schulen von den Sportlehrern vorbereitet wurde. "Das ist eine tolle Sache", findet Hugo Brecht, - mit großer Breitenwirkung."